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Der Ultimative Leitfaden für die Maschinelle Bearbeitung von Edelstahl

Mehr als 70 % der gesamten Herstellungskosten eines Bauteils aus Edelstahl werden in der anfänglichen Konstruktionsphase bestimmt, und durch die Auswahl der Güte des Materials und der Geometrie des Teils festgelegt.

Während Edelstahl eine überlegene Chemikalienbeständigkeit, außergewöhnliche Zugfestigkeit und Rostbeständigkeit im Vergleich mit Kohlenstoffstahl oder Aluminiumlegierungen bietet, so stellen seine mechanischen Eigenschaften einem normalen Schneidwerkzeug auch einen heftigen Widerstand entgegen.  

Die Optimierung der Werkzeugauswahl, der Toleranzen der Teile und der Schnittparameter ist unerlässlich, um vorhersehbare Produktionszyklen zu erzeugen, und ein katastrophales Versagen des Werkzeugs zu vermeiden.

Was Macht Edelstahl So Schwer Zu Bearbeiten

Vier verschiedene metallurgische Mechanismen sorgen dafür, dass bei der Bearbeitung von Edelstahl die erforderlichen Schnittkräfte, die thermische Akkumulation und das strukturelle Risiko erhöht sind.

Kaltverfestigung

Die Kaltverfestigung ist ein Vorgang (und ein technisches Verfahren), bei dem das Material nach einer dauerhaften Verformung härter wird. Das Verbiegen einer Büroklammer zeigt dies deutlich: Das erste Biegen ist einfach, aber will man sie wieder geradebiegen, so ist mehr Kraft erforderlich, denn das Material hat sich dort, wo es verformt wurde, verhärtet.

Austenitische Edelstähle gehören zu den Materialien, die für eine Kaltverfestigung am empfänglichsten sind. Jede Durchgang der maschinellen Bearbeitung, der nicht tief genug schneidet, hinterlässt eine verhärtete „Haut“, und der nächste Durchgang muss jetzt ein Material durchschneiden, das härter ist als das Ausgangsmaterial. Die erhöhte Härte vergrößert den Widerstand gegen den Schnitt und beschleunigt zeitgleich die Abnutzung des Werkzeugs, womit das Problem mit jedem nachfolgenden Arbeitsgang nur noch schlimmer wird.

Geringe Wärmeleitfähigkeit

Edelstahl leitet Wärme mit 15 bis 30 W/m K, also deutlich unter Kohlenstoffstahl mit 30 bis 60 W/m K. Die erzeugte Wärme an der Schnittkante kann damit nirgendwohin, und verbleibt somit im Schnittbereich, statt durch das Werkstück abgeleitet zu werden. Erhöhte Schneidtemperaturen verringern jedoch die Zugfestigkeit des Werkzeugs und seine Härte, was zu einem vorzeitigen Abplatzen oder einem vollständigen Werkzeugausfall führen kann.

Hohe Schnittkräfte und Vibrationen

Die Festigkeit und Duktilität von Edelstählen erfordert grundsätzlich höhere Schnittkräfte als bei anderen Automatenstählen oder Aluminium, und diese Kombination macht das Material in der Bearbeitung anfällig für das Klappern. Diese Vibrationen verringern die Oberflächengüte, lassen Werkzeugeinsätze abplatzen und verkürzen dabei auch noch die Lebensdauer der Spindel in der Anlage.

Schneller Werkzeugverschleiß und Spankontrollprobleme

Kaltverformung, Wärmespeicherung und die hohen Schnittkräfte verbinden sich und beschleunigen den Verschleiß des Werkzeugs und erschweren gleichzeitig die Kontrolle der Späne. Edelstahl produziert aufgrund seiner Festigkeit und Duktilität lange, fadenförmige Späne. Diese Späne reiben an der Oberfläche des Werkzeugs entlang, verschlimmern die Aufkonzentration der Wärme und die auf das Werkzeug einwirkenden Schnittkräfte, wodurch sie dem Verfahren an sich im Weg stehen, indem sie sowohl die bearbeitete Oberfläche als auch das Werkzeug selbst beschädigen.

Zerspanbarkeitsindex und Familienklassifizierung

Die Auswahl des korrekten Edelstahls für eine Anwendung kann den Unterschied zwischen einer effektiven Produktion und explodierenden Kosten ausmachen.

Die Fertigungsindustrie vergleicht deshalb die Einfachheit der Zerspanung eines Metalls namens AlSL1112, einem Automatenstahl mit Kohlenstoffgehalt, der als die Basislinie von 100 % gilt. Eine Bewertung der Zerspanbarkeit von 50 % erfordert somit eine Verringerung des linearen Vorschubs um 50%, um eine äquivalente Werkzeuglebensdauer im Vergleich mit dem Basisstahl zu verursachen.

Zerspanbarkeitsbewertung von normierten Edelstahllegierungen

EdelstahlgütegradZerspanbarkeitsbewertungMetallurgische FamiliePrimäre Legierungseigenschaft
Klasse 30378 %AustenitischHoher Schwefeleinschluss für das Spanbrechen
Klasse 30445 %AustenitischStandard-Chrom-Nickel-Basis
Klasse 31640 %AustenitischMolybdenzusatz für Chloridbeständigkeit
Klasse 43060 %FerritischWenig Kohlenstoff, gerade Chromzusammensetzung
Klasse 41685 %MartensitischAutomatenstahl, härtbar durch Wärmebehandlung
Klasse 220520 bis 30 %DuplexGemischte Austenitisch- Ferritische Kristallstruktur
Klasse 630 (17-4 PH)30 %AusscheidungshärtungNiederschlag einer Kupferlegierung zur Alterungsbehandlung.

Auswahl des Richtigen Gütegrades

Es existieren über 100 Edelstahllegierungen, von denen die meisten in die fünf großen Kategorien fallen: austenitisch, martensitisch, Duplex und ausscheidungshärtend. Diese Kategorien spiegeln die Unterschiede in der Atomstruktur und den legierten Elementen wider, die wiederum die Eigenschaften jedes Gütegrades und seine Endanwendung bestimmen, 

Der richtige Gütegrad für eine Anwendung ist somit jener, der die Last- und Betriebbedingungen abdeckt, dabei aber die geringsten Kosten für die Beschaffung und maschinelle Bearbeitung aufweist.

GüteAm besten fürZu vermeiden, wenn
303Automatisierte Großserienfertigung, Verbindungslemente, Buchsen, ZahnräderSeewasser- oder Chemikalienbelastung, geschweißte Baugruppe, Schwerformung
304Allzweckteile, Kochgeschirr, Architekturpaneele, Outdoor-HardwareMeerwasser oder saure Umgebungen, dauerhafte Hitze, Großserien
316Schiffszubehör, Kontakt mit Chemikalien, lebensmittelechte oder chirurgische TeileGroßserien mit empfindlichem Budget, Anwendungen, bei denen Festigkeit aus der Wärmebehandlung erforderlich ist
416Zahnräder, Wellen, Ventilkomponenten, Drehautomatenteile, die Geschwindigkeit benötigenSchweißbaugruppen, gebogene Teile, Seewasser- oder Chloridkontakt
630
(17-4 PH)
Mischerblätter, Formgebungswerkzeuge, verschleißfeste VentileTemperaturen über 315°C, Funktion unter Null, knappe Budgets
2205 (Duplex)Druckbehälter, Spannungsrisskorrosionsrisiko, GewichtsreduzierungKomplexe Bearbeitung in Großserienfertigung, extremes Biegen, enge Budgets

Klasse 303

Bei der Klasse 303 handelt es sich um einen Edelstahl, der aufgrund seiner Eigenschaften als Automatenstahl geschätzt wird, auch wenn diese maschinelle Bearbeitbarkeit auf Kosten einer geringeren Korrosionsbeständigkeit, Schweißbarkeit und mechanischen Festigkeit als bei vergleichbaren austenitischen Edelstählen einhergeht.

303 eignet sich für die automatisierte Produktion komplexer, feingliedriger und komplizierter Teile. Typische Anwendungsgebiete sind Flugzeugbeschläge, Buchsen, Verbindungselemente, Zahnräder und Wellen. Seine geringere Korrosionsbeständigkeit beschränkt den Einsatz in aggressiven Umgebungen wie zur See, an der Küste oder in chemisch aggressiven Umgebungen. Vermeiden Sie zudem Baugruppen aus 303, da diese bei Hitze zur Rissbildung neigen, und vermeiden Sie zudem den Einsatz bei Teilen, die erheblich gebogen oder kalt geformt werden könnten.

Klasse 304

Klasse 304 ist der am häufigsten eingesetzte Mehrzweck-Edelstahl, der für seine Formbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und seinen Preis geschätzt wird.

Spülen, Kühlschränke, Öfen, Schränke und Gebäudepaneele werden üblicherweise, aufgrund der Optik und der Rostbeständigkeit, aus 304 gefertigt. Es verträgt zudem das Biegen und Kaltformen hervorragend, weshalb es für Kochgeschirr geeignet ist. 304 schlägt zudem 303 in Belangen der Schweißbarkeit und der Exposition im Freien, weshalb man es auch für Strukturen, Rohrleitungen und Outdoor-Hardware einsetzt, die Süß- oder Regenwasser ausgesetzt werden.

Es wird jedoch nicht empfohlen, 304 Salzwasser, Säuren oder rauen chemischen Umgebungen auszusetzen, oder es für längere Zeiträume bei anhaltend hohen Temperaturen zu verwenden, bei denen es zu Ablagerungen und Festigkeitsverlusten kommen kann. Das Material ist zudem zäh und gummiartig im Schnitt, was seine Effizienz in der Massenfertigung einschränkt.

304 bietet praktisch die Basislinie für die Kosten bei einer Entscheidung über die Edelstahlgüteklasse. Wenn die Anforderungen des Anwendungsgebiets in die Reichweite von 304 fallen, dann bietet es eine vielseitige Festigkeit und eine polierbare Oberflächengüte zu einem vernünftigen Preis. Nutzen Sie 316 für die Exposition gegenüber Chloriden, 17-4 PH für eine höhere Festigkeit oder 303 für die bessere maschinelle Bearbeitbarkeit nur dann, wenn 304 die Einsatzbedingungen, die Lastfälle oder die Fertigungsbedingungen nicht bedienen kann.

Klasse 316

Klasse 316 ist der führende seewassergeeignete Edelstahl, der mit Meerwasser, Chemikalien und industriellen Lösungsmitteln zurechtkommt.

316 stellt die bevorzugte Wahl für Beschläge auf See oder in Küstennähe vor und dient als Bootsbeschlag und für bauliche Komponenten, die Seeluft ausgesetzt sind. Es eignet sich auch gut für Lagertanks, Rohrleitungen und Handhabungssysteme für ätzende Chemikalien, Säuren und Chloride. Seine nichtporöse Oberfläche und die selbstheilende Chromschicht widerstehen bakterieller Besiedlung, sind leicht zu desinfizieren und gut geeignet für lebensmittelechte, medizinische oder chirurgische Anwendungen.

316 kann nicht durch Wärmebehandlung gehärtet werden, weshalb Sie es vermeiden sollten, wenn eine extreme strukturelle Festigkeit oder Verschleißfestigkeit erforderlich ist. Ebenso wie 304 ist es zäh und gummiartig, was seine Praktikabilität für die Großserienfertigung einschränkt. Die Rohlingskosten für 316 liegen 10 bis 30 % über denen von 304, zudem dauert die Bearbeitung länger, weshalb man 316 für jene Anwendungen reservieren sollte, die die zusätzlichen Kosten tatsächlich wert sind.

Klasse 416

416 ist ein martensitischer Automatenedelstahl und der am einfachsten zu schneidende Edelstahl. Seine Spanbarkeitsbewertung von 85 % liegt über der von allen anderen Edelstahlgüteklassen, und sogar vor 303 mit 78 %.  Der hinzugefügte Schwefel erlaubt es, das Material sauber zu zerspanen, was zu höheren Geschwindigkeiten und schnellerem Vorschub führt, als es austenitische Güteklassen erlauben.

Im Gegensatz zu 303, ist 416 durch Wärmebehandlung härtbar, weshalb es eine gute Wahl ist, wenn das Teil sowohl leicht maschinell zu bearbeiten als auch über eine bedeutende Festigkeit und Verschleißfestigkeit verfügen soll. Typische Anwendungsfälle sind Zahnräder, Wellen, Schrauben, Bolzen, Nieten, Ventilbauteile, Pumpenwellen und Drehautomatenteile aus der Großserienfertigung. 

Der gleiche Schwefel, der 416 leicht zu schneiden macht, schränkt ihn aber auch andernorts ein. Die Korrosionsbeständigkeit ist im besten Falle moderat, und liegt unter 304, und dem Ausgangsmaterial 410, weshalb es eine schlechte Wahl für die Exposition gegenüber Meerwasser oder Chloriden ist. Es ist zudem magnetisch, und lässt sich schlecht schweißen oder kaltformen, da der Schwefel zur Heißrissbildung führt. Vermeiden Sie also 416 für geschweißte Baugruppen oder Teile, die gebogen werden müssen.

Wählen Sie hingegen 416 wenn die Kosten für die maschinelle Bearbeitung ein dominierender Entscheidungsfaktor, sind und die Einsatzbedingungen eher mild sind. Verbessern Sie sich hingegen auf 304 für mehr Korrosionsbeständigkeit oder bleiben Sie bei 303 für einen Automatenstahl, der Salz- und Säureexposition besser verträgt.

Klasse 630 (17-4 PH)

Die Klasse 630 ist ein ausscheidungshärtender martensitischer Stahl, der für seine hohe Festigkeit bekannt ist. Seine Härte ist nützlich für Geräte, die verschleißfest, kratzfest und erosionsbeständig sein müssen, wie etwa Mischerblätter, Gussformen oder Ventile .

Trotz seiner Festigkeit macht seine Metallurgie 17-4 PH unter gewissen Temperaturen und chemischen Bedingungen spröde. Das Material eignet sich nicht für Temperaturen über 315°C, Einsätze unter Null oder ein dauerhaftes Untertauchen in Meerwasser.

17-4 PH auch nicht gerade eine Low-Budget-Option. Es erfordert einen speziellen Alterungsprozess, um seine volle Festigkeit zu erreichen, dann noch zusätzliche Materialien und entsprechend Verarbeitungskosten. Wenn die normale Festigkeit die Anforderungen der Anwendung erfüllt, dann ist die Klasse 304 die bessere Wahl. 

Klasse 2205

Die Güteklasse 2205 ist ein Duplex-Edelstahl, der die Festigkeit eines ferritischen Stahls mit der Korrosionsbeständigkeit des Austenitstahls verbindet und ungefähr das Zweifache der Stärke der Klasse 300 – Edelstähle liefert.

Diese Festigkeit eignet sich für Anwendungen mit hohen Lasten, wie bei Druckbehältern, Lagertanks und Strukturbauteilen, und sie ermöglicht zudem eine Gewichtsreduktion, da die gleiche Festigkeit mit einer leichteren Bauweise erreicht werden kann. Die Widerstandsfähigkeit von 2205 gegenüber aggressiven Chemikalien, Chloriden und anderen Salzen erweitert seine Nützlichkeit in maritimen und anderen anspruchsvollen Umgebungen.

Ähnlich wie 17-4 PH, kann 2205 brüchig werden, wenn es extrem hohen Temperaturen oder Temperaturen unter Null ausgesetzt wird, oder in Teilen verwendet wird, die extrem gebogen oder mit komplexen Geometrien in Großserien gefertigt werden müssen. Wenn es jedoch um den Widerstand gegen Korrosion an Spannungsrissen geht, dann ist 2205 die einzig richtige Wahl, da 304 und 316 in diesen Umgebungen sofort versagen würden.

Anwendungsfälle für die Produktionstechnik

MaterialVorgangParameterVermiedener FehlerErgebnis
Austenitisch Klasse 316Planfräsen von OberflächenLeichter radialer Eingriff, weit unter dem vollen FräserdurchmesserVorzeitiger KraterverschleißVerminderte Hitze- entwicklung und verlängerte Werkzeug- lebensdauer durch die Bildung dünnerer Späne.
Marten- sitisch Klasse 416Auto- matisches Drehen nach Schweizer ArtHohe, schwefelfreie BearbeitungsgeschwindigkeitenAnsammlung langer, schnurartiger SpäneExzellente volumetrische Spanabfuhr und geringe Zykluszeiten pro Teil.
Duplex Klasse 2205Tiefe BlindlochbohrungenHochdruckspülung mit synthetischem WasserkühlmittelAbmilderung lokaler HitzeansammlungenPräzise Temperatur- kontrolle vermindert sofortigen Abbruch der Kante des Schneideinsatzes

Designregeln für maschinell bearbeitete Edelstahlteile

Wie bereits vorher angemerkt, ist es die erste Konstruktionsphase, die Designphase, in der der Großteil der Ausgaben für die maschinelle Bearbeitung festgelegt wird. Dementsprechend ist eine Beachtung dieser Designregeln für die maschinelle Bearbeitung entscheidend dafür, kosteneffektiv zu konstruieren.

Richtlinie für die DfM-Optimierung bei Edelstählen

Zielmerkmal d. EntwurfsZugehörige VerfahrensbeschränkungPotenzieller Nachteil i.d. BeschaffungKernregel aus dem DfM
Innenliegende HohlräumeRadius muss mit dem Fräserradius übereinstimmenKosten für individ. SpezialwerkzeugeBemessung der Eckradien passend oder leicht größer als der normierte Werkzeugradius, um Kosten für individualisierte Werkzeuge zu vermeiden und Spanabfuhr zu verbessern.
Profil am Boden einer BohrungNormale Bohrung hinterlässt einen 118° WinkelUnvollständige GewindeprofiltiefeFügen Sie einen Entlastungspuffer von 2 bis 3 Gewindelängen über die erforderliche Gewindetiefe hinaus auf Zeichnungen mit Blindbohrungen hinzu.
GewindeherstellungStrukturelles Drehmoment am Gewinde- schneider verursacht BruchZusätzliche EDM-ExtrationsarbeitWechsel zum Spiralgewindefräsen um Späne sicher zu entfernen.
Offene KoordinatengrößeBewegungsauflösung der MaschinenachseVerlängerte Zyklusdauer und PrüfvorgängeNutzung von Klasse m als offene Toleranzen über die Angabe im Titel-/Schriftblock.
Maße der Wände des TeilsExtreme Biegung unter Einfluss der SchneidkräfteVerbiegen der Wände des Teils oder AusschussWechsel zum Duplex 2205, um Querschnittsbereiche sicher mit dieser Dicke zu schneiden.

  1. Overengineering vermeiden

Mit Edelstahl ist es sehr einfach, dem Overengineering zu verfallen, da einfach so viele verschiedene Güteklassen verfügbar sind. Ein Konstrukteur kann sich für 316L (mit geringem Kohlenstoffgehalt) entscheiden, um auf Nummer sicher zu gehen, obwohl 304 völlig ausreichend gewesen wäre. Wählen Sie also die passende Güteklasse für Ihren Anwendungsbereich. Die falsche Güteklasse beeinflusst nicht nur die Beschaffung, sondern auch die Kosten für die Bearbeitung und Nachbearbeitung. Vermeiden Sie engere Bearbeitungstoleranzen, sofern sie nicht absolut notwendig für die Funktion sind.

  1. Passen Sie die Oberflächengüte an die Funktion an.

Legen Sie das richtige Finish fest, dann kann das den Unterschied zwischen der Überschreitung und der Einhaltung des Budgets ausmachen. 

Das Erzwingen von ultraglatten Profilspezifikationen (Ra < 0,4 µm) auf nicht abdichtenden oder nicht hygienisch relevanten Oberflächen erzwingt das Hinzufügen zusätzlichen Schleif-, Läpp-, oder sogar  

mehrfache Elektropoliturdurchgänge. Erhalten Sie das wie-gefertigte Finish (Ra 3,2 µm) als ihre Standardgrenzfläche bei, wann immer es die mechanische Leistung erlaubt.

  1. Design für die CNC-Bearbeitung

Vermeiden oder modifizieren Sie Merkmale, die nicht verlässlich mit CNC-Anlagen gefertigt werden können. Wählen Sie gut für die CNC-Bearbeitung geeignete Edelstahlgüteklassen. Dies wäre zum Beispiel für Teile, die keine extreme Korrosionsbeständigkeit erfordern, und auch nach der Fertigung nicht geschweißt werden müssen, die Klasse 303, die Sie gegenüber den schwerer zu bearbeitenden Klassen bevorzugen sollten. Duplex-Edelstähle können die Dicke eines Teils um die Hälfte reduzieren, die sie mit normalen austenitischen Edelstählen hätten. Die daraus entstehenden Mehrkosten werden an mehreren Fronten, von der Beschaffung bis zur Nachbehandlung, wieder eingespart.

Edelstähle maschinell bearbeiten

Edelstähle belohnen einen bewussten Umgang mit Werkzeugen, Geschwindigkeiten und der Kühlung.

PraxisEmpfehlungWarum Das Wichtig Ist
WerkzeugmaterialBeschichtetes Hartmetall, Submikronkorn für die Zähigkeit; TiAlN oder AlTiN als Beschichtung für die GroßserienfertigungStandardwerkzeuge versagen durch Hitze und sogenannte Aufbauschneiden
SchnittgeschwindigkeitKonservativHohe Schnittgeschwindigkeiten erhöhen die Schnitttemperatur und verkürzen die Werkzeuglebensdauer
VorschubgeschwindigkeitAggressiv, mit konstantem VorschubGeringe Vorschubgeschwindigkeiten verursachen ein Reiben, das die Kaltumformung und somit die Kaltverfestigung fördert
SchnitttiefeSchneiden Sie tief genug, um bei jedem Durchgang unter die kaltverfestigte Schicht zu kommenEin zu flacher Durchgang als Finish beißt dabei nur in eine verhärtete Oberfläche und nicht in das eigentliche Ausgangematerial.
KühlungWasserbasierte Kühlung für den Hochgeschwindigkeitsbetrieb; ordentliches Schneidöl für Gewindebohrungen und GewindefräsenDie Hitzeansammlung und der Wärmestau gefährden die Standzeit von Werkzeugen viel intensiver als die eigentliche Reibung
MaschineneinrichtungStarr, mit hoher Spannkraft und nur kurzem WerkzeugüberstandEin Biegen des Werkzeugs führt nur zum Klappern, zur Kaltverfestigung und zum Werkzeugbruch

Das Gewindefräsen ist im Allgemeinen die bessere Wahl für die Ausarbeitung von Gewinden im Edelstahl, als das Gewindeschneiden, da es die Reibung und Belastung durch Werkzeuge an einem Material reduziert, das bereits empfindlich mit Kaltverfestigung reagiert. 

Die Konstrukteure, die die Innengewinde für die jeweiligen Methoden bemaßen, können auch gleich die erforderlichen Kernbohrergrößen mit dem Rechner für Gewinde- und Kernbohrer überprüfen, bevor sie sich auf eine Methode für die Gewinde festlegen.

Behandlung in der Nachbearbeitung

Die maschinelle Bearbeitung hinterlässt Kontaminierungen der Oberfläche, das Risiko von Rost und vorzeitiger Abnutzung, und diese Nachbehandlungsschritte widmen sich diesen Problemen, bevor ein Edelstahlteil versendet wird.

Säubern und Entfetten

Maschinell bearbeitete Teile müssen gereinigt werden, damit sie frei von Schneidflüssigkeiten, Ölen und Spänen sind, was in der Regel durch alkalische Reinigung und Entfettung mit Lösungsmitteln geschieht. Dieser Schritt ist notwendig, bevor ein Teil passiviert werden kann, da Rückstände auf der Oberfläche die einwandfreie Funktion des Säurebades beeinträchtigen können.

Passivierung

Die Passivierung behandelt den Edelstahl chemisch mit Salpeter- oder Zitronensäure, entfernt dabei das freie Eisen an der Oberfläche, das durch die Schnittwerkzeuge hinterlassen wurde, und ansonsten als Startpunkt für Korrosion dienen könnte. Der Vorgang stellt dabei die gleichmäßige Chromoxidschicht wieder her, die für die Korrosionsbeständigkeit des Materials verantwortlich ist.

Elektropolitur

Die Elektropolitur ist ein elektrochemisches Verfahren, das eine dünne Oberflächenschicht entfernt, und dabei die mikroskopisch kleinen Gipfel entfernt, und somit eine saubere, reibungsarme und höchst korrosionsbeständige Oberfläche erzeugt.  Es wird in der Regel spezifisch für medizinische, pharmazeutische, Halbleiter- und Lebensmittelanwendungen eingesetzt.

Alternativen zu Edelstahl

Ein Edelstahl ist die bevorzugte Wahl, wenn eine Anwendung eine maximale Korrosionsbeständigkeit, hohe Betriebstemperaturen, ein ästhetisches Erscheinungsbild und strenge hygienische Eigenschaften vorweisen soll.

Wenn jedoch die Schwierigkeiten in der Bearbeitung den Vorteil überwiegen, dann können ggf. andere Materialien besser zur gewünschten Anwendung passen.

Alternativezu wählen, wenn
Weichstahl / BaustahlEin begrenztes Budget besteht, und die Teile zum Korrosionsschutz auch lackiert oder anderweitig beschichtet werden können
AluminiumGewicht und Wärmeleitfähigkeit wichtiger sind als die reine Festigkeit oder Korrosionsbeständigkeit
MessingDie maschinelle Bearbeitbarkeit und Korrosionsbeständigkeit zusammen mit antimikrobiellen Vorteilen Priorität haben
Kunststoff oder VerbundwerstoffDie elektrische Isolierung, das Gewicht und die Kosten die Anforderungen an die Festigkeit überwiegen

Spezifikationen mit den Anforderungen abgleichen

Edelstähle bieten Korrosionsschutz und Haltbarkeit auf eine Weise, wie sie nur wenige Materialien bieten können, aber jede dieser Eigenschaften bringt auch Reibung mit in die Anlage. Die Auswahl der Güteklasse, Toleranzdisziplin, die Werkzeugauswahl sowie die Nachbearbeitung wirken alle in die gleiche Richtung: jene Spezifikation auszuwählen, die den tatsächlichen Leistungsanforderungen entspricht, und nicht jene, die am sichersten klingt.

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