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Das Ende des Rotstifts: Wie NexCAD KI-Designprüfungen automatisiert

Technische Zeichnungen durchlaufen in der Regel drei Phasen: Erstellung, Prüfung und Freigabe – mit zunehmender Beteiligung erfahrener Ingenieure. NexCAD setzt genau hier an, um den Zeitverlust zu reduzieren und Raum für mehr Innovation zu schaffen.
Screenshot of the NexCAD software interface showing a 2D mechanical drawing of a gearbox shaft on the left, with an "AI Drawing Checker" sidebar on the right listing specific errors like missing tolerances and GD&T requirements, categorized by severity.

Wir haben mit Uzair Syed, CEO von NexCAD, darüber gesprochen, wie sein Unternehmen das Dokumentations-Problem angeht, das jedem Maschinenbauingenieur nur allzu gut bekannt ist.

Die 50%-Falle durch Administration

Welches Problem wollen Sie lösen?

Ich bin Maschinenbauingenieur und habe in den letzten 12 Jahren sowohl für Fortune-500-Konzerne als auch als Berater für kleinere Unternehmen gearbeitet. Der gemeinsame Nenner: Ingenieure verbringen zu viel Zeit mit Nicht-Ingenieuraufgaben – also mit Dokumentation, Stücklisten, Lieferantenkommunikation.

An der Uni hatte ich mich darauf gefreut, mein Wissen in die Praxis umzusetzen. In der Realität bestand etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit aus allem Möglichen – nur nicht aus Engineering. Und das ist eher konservativ geschätzt.

Ein großer Teil davon entfällt auf Zeichnungen. Selbst nach der kreativen Arbeit musste ich Zeichnungssätze erstellen. Danach prüft jemand anderes die Zeichnungen. Und dann folgt noch eine finale Freigabe durch eine höhere Ebene. Je höher die Ebene, desto erfahrener die beteiligten Personen.

Gerade für Junioren kann die Arbeit an Zeichnungen bis zu 40 % der Zeit in Anspruch nehmen.

Also geht es vor allem um verlorene Zeit?

Es geht auch um Ressourceneinsatz und menschliche Fehler. Selbst bei mehreren Prüfungen übersieht man Dinge – weil wir eben Menschen sind. Dabei sind es meist Senior Engineers, die prüfen. Ihre Zeit ist extrem wertvoll. Wenn man zehn Stunden ihrer Zeit spart, spart man schnell 1.000 Dollar.

Auf der anderen Seite haben kleinere Firmen oft gar nicht die Ressourcen für eine fundierte Prüfung.

Wann kam die Idee, etwas daran zu ändern?

Ende 2024 habe ich angefangen, mit KI zu experimentieren. Mir wurde klar, dass wir den nervigsten, langweiligsten und zeitintensivsten Teil der Zeichnungsprüfung automatisieren könnten. Das war unser Startpunkt.

Von ISO bis zum unternehmensinternen Wissensgraphen

Was genau macht die Software für Ingenieure?

Sie prüft Zeichnungen, macht Vorschläge, kommentiert und zeigt, was fehlt. Damit wird der Design-Review-Prozess effizienter.

Der Senior kann direkt im Tool kommentieren. Beim Öffnen sieht der Junior die Anmerkungen – die komplette Historie wird gespeichert.

Wir erfassen zudem, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, und bauen daraus einen firmenspezifischen Wissensgraphen.

Ein Beispiel dafür?

Wenn Ihr Unternehmen bei bestimmten Bauteilen immer denselben Lieferanten nutzt, merkt sich das unser System. Künftig wird die Zeichnung automatisch mit einem entsprechenden Lieferanten-Tag versehen, und die Toleranzen lassen sich anhand des jeweiligen Datenblatts auslegen.

Ihr helft Firmen also, eigene Standards zu etablieren?

Ganz genau. Jedes Unternehmen hat seine eigene Handschrift. Es gibt zwar globale Standards wie ISO oder ASME, dazu branchenspezifische wie API oder DNV im Bereich Öl & Gas, oder B31/B16 in der Verfahrenstechnik.

Aber es gibt auch eine interne Ebene. Unser Checker lernt diese Standards mit der Zeit und passt sich an.

Was, wenn Empfehlungen nicht zum Unternehmen passen?

Admins können unpassende Vorschläge einfach deaktivieren und so das gesamte Regelwerk steuern.

Hybrid Intelligence: Regelbasiert und KI-gestützt

Markiert das Tool nur Fehler oder liefert es auch Kontext?

Es erkennt Geometrien, kritische Merkmale und alle Annotationen. Es prüft z. B. fehlende Bemaßungen, leere Felder im Schriftkopf, Materialangaben oder Oberflächensymbole – all das, was man sonst manuell macht.

Dann gehen wir tiefer: branchenspezifische Prüfungen, mit Referenz zu geltenden Normen. Man kann direkt nachlesen, wenn man mehr wissen will.

Wie schnell läuft die Prüfung ab?

Jede Zeichnung wird auf vier Ebenen analysiert. Die einfachsten API-Checks laufen sofort.

Wir kombinieren regelbasierte Algorithmen (für z. B. Schreibfehler, fehlende Angaben, Materialkonflikte) mit KI, die den Kontext erkennt.

Wenn z. B. eine Passfedernut am Schaft und am Gegenstück unterschiedlich ist, erkennt das System den Widerspruch. Entspricht beides der Norm, weist es auf die Abweichung hin. Entspricht etwas nicht der Norm, nennt es die passende Referenz.

Auch Schweißverbindungen werden erkannt?

Ja. Die KI erkennt z. B., ob zwei Materialien überhaupt miteinander verschweißbar sind und ob die Symbole korrekt angegeben sind (z. B. Maßangaben).

Welche Analyse-Stufen gibt es?

Unsere KI arbeitet in drei Stufen:

  • Einfach: ca. 1 Minute
  • Mittel: ca. 3 Minuten
  • Tiefgehend: maximal 6 Minuten

Die meisten Nutzer wählen die mittlere Stufe.

Batch-Prüfung möglich?

Ja, bis zu zehn Zeichnungen gleichzeitig.

Was liest die Software aus der Zeichnung aus?

Alles, was über das CAD angebunden ist: Geometrie, Schriftkopf, Bemaßungen. Die KI erkennt auch Zusammenhänge. Etwa ob zwei Werkstoffe laut Spezifikation schweißbar sind – das erfordert Kontextverstehen.

Die meisten sagen: KI ist für Input gut, die Entscheidung liegt beim Menschen. Ihr dreht das um?

Die finale Freigabe liegt nach wie vor beim Menschen. Wir unterstützen den Ersteller und den Prüfer.

Zeichnungserstellung ist ein sehr komplexes Problem. Wir nutzen die Prüfung, um Daten zu sammeln. Damit können wir zukünftig Zeichnungen generieren.

Screenshot der NexCAD-Softwareoberfläche mit einer 2D-Zeichnung einer Getriebewelle links und einer „AI Drawing Checker“-Seitenleiste rechts, die Fehler wie fehlende Toleranzen oder GD&T-Angaben nach Kritikalität auflistet.

Nachwuchs-Ingenieure stärken

Was sehen Kunden als größten Mehrwert?

Zeiteinsparung für Ingenieure – vor allem für Seniors. Sie sollen Innovation treiben, nicht Zeichnungen prüfen.

Zweitens: Unsere KI berücksichtigt interne Standards und lernt mit. Und: In kleinen Firmen geht oft Know-how verloren, wenn erfahrene Mitarbeiter gehen. NexCAD speichert und vermittelt dieses Wissen strukturiert weiter.

Wir prüfen aktuell ca. 2.000 Zeichnungen pro Woche. In jeder Zwanzigsten finden wir ein kritisches Fertigungsproblem. Solche Fehler kosten im Schnitt über 1.000 US-Dollar – für Nacharbeit, Ausschuss oder verlorene Zeit.

Wer profitiert am meisten?

Wir fokussieren uns derzeit auf Robotik- und Automationsunternehmen. Sie fertigen individuelle Produkte, müssen pro Projekt neue Zeichnungen erstellen. Anders als in Branchen mit starker Wiederverwendung.

Kleine Firmen haben keine Zeit, Standards zu dokumentieren. Wir arbeiten meist mit Mittelständlern zusammen, um gemeinsam besser zu werden.

Zielgruppe sind vor allem Senior Engineers. Sie wollen Prozesse verbessern, statt ständig Junioren zu coachen oder fehlende Toleranzen zu suchen.

Unerwartete Nutzerfälle?

Wir dachten anfangs, wir helfen vor allem den Prüfern. Doch ein Kunde kaufte 20 Lizenzen für Junior Engineers.

Die Rückmeldung: Die Juniors lernen extrem schnell, liefern bessere Ergebnisse, verstehen die Zeichnungstiefe und können Entscheidungen begründen.

Ein anderer Kunde hat den Freigabeprozess von 4 Stunden auf 20 Minuten verkürzt – noch am selben Tag.

Also hätte ich mir als Junior so manchen Vortrag vom Chef erspart?

Ganz genau. Ich wollte früher auch nicht mit einer halbgaren Zeichnung zu meinem Senior gehen. Heute haben die Juniors ein viel besseres Verständnis für ihre Zeichnungen.

Preisgestaltung & Integration

Wie leicht ist der Einstieg?

„Out of the box“ einsatzbereit. Die Installation dauert einen halben Tag. Die globalen Standards sind direkt aktiv. Mit der Zeit lernt das System interne Regeln mit.

Die Einarbeitung ist simpel: Der Kunde nennt den Admin, dieser legt los. Nach 1–2 Wochen gibt es ein gemeinsames Review. Dabei helfen wir bei der Anpassung an den Workflow und setzen oft direkt Feature-Wünsche um.

Wir investieren stark in den Kundenerfolg: Onboarding, Standardübernahme und Support.

Wie ist das Preismodell?

Jährliche Abrechnung in zwei Stufen, je nach Unternehmensgröße und Customizing. Mindestbestellmenge: 10 Lizenzen. Keine Begrenzung bei der Anzahl geprüfter Zeichnungen pro Lizenz.

Für kleinere Unternehmen mit unter 5 Nutzern ist 2026 ein eigener Plan geplant.

Mit welchen CAD-Systemen ist NexCAD kompatibel?

Aktuell mit Inventor und SolidWorks. Bei anderen CAD-Systemen nutzen wir PDF-Dateien. Man verliert dabei etwas Geometrie-Intelligenz, aber die KI leistet weiterhin den Großteil der Arbeit.

Die Zukunft ohne CAD?

Automatisiert ihr die Zeichnungserstellung komplett?

Für H1 2026 planen wir die vollautomatische Zeichnungserstellung. Der Mensch prüft nur noch final.

Unsere KI wurde mit echten Zeichnungen trainiert – etwa 1.800 pro Woche. Dieses Wissen nutzen wir bald zur Generierung von Grund auf.

Aktuelle Tools schaffen keine komplexen Zeichnungen (z. B. für Baugruppen oder Schweißteile). Unsere Datenbasis ermöglicht das.

Langfristige Roadmap?

Unsere Vision: NexCAD als KI-Schicht für alle zeitraubenden Ingenieuraufgaben.

Ich liebe 3D-Modelling – es macht Spaß. Aber eigentlich ist es Zeitverschwendung gegenüber kreativer Ingenieurarbeit.

2026 schließen wir den Kreis: Zeichnungserstellung & -prüfung automatisiert. Danach wollen wir uns an 3D-Modelle, Simulationen und Designfiles wagen.

In ferner Zukunft sehe ich ein Arbeiten ganz ohne CAD.

Ohne CAD?

Ja. CAD ist fürs Visualisieren, aber eigentlich sollte man nicht alles manuell modellieren müssen.

Ein zu großer Wurf?

Dann holen wir uns Partner, die besser sind als wir. Hauptsache, die Branche kommt weiter.

Noch Tool-Tipps für Ingenieure?

Shapr3D. Sie haben eine sehr intuitive Art der Modellierung entwickelt.

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