Solarbetriebener Elektroautoprototyp mit On-Demand Fertigung hergestellt

Sono Motors ist ein Münchener Automobilhersteller, der den Sion entwickelt hat, das erste für den Massenmarkt gedachte Elektroauto, das durch Solarenergie geladen werden kann. Sono Motors bezog Teile des Prototyps von Xometry.
Solar electric vehicle prototype from Sono Motors

Wir sprachen mit Christian Hornschuch, dem Product Owner im Bereich Electrical Integration bei Sono Motors, darüber, wie sie als Pioniere auf dem Markt solarbetriebener Elektroautos agieren, über ihren neuesten Sion und wie sie die Vorteile der On-Demand Fertigung verwenden, um die Beschaffung mechanischer Bauteile zu realisieren.

Christian Hornschuch, Product Owner Electrical Integration at Sono Motors
Christian Hornschuch, Product Owner Electrical Integration bei Sono Motors (Bildrechte: Sono Motors GmbH)

Vom Garagenmodel als Vorabprototyp zum präsentationsbereiten Prototypen

Christian Hornschuch, Product Owner Electrical Integration bei Sono Motors: Im Jahr 2012 begannen die Gründer Laurin Hahn und Jona Christians mit der Entwicklung einer Alternative zu konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, nachdem sie den Bedarf für eine Veränderung in der Automobilindustrie hin zu einem saubereren und umweltfreundlicheren Ersatz sahen, der eine Welt ohne fossile Brennstoffe ermöglichen würde. Ihr Vorabprototyp feierte sein Debüt bereits etwas mehr als drei Jahre später.

Xometry: Im Jahr 2016 wurde Sono Motors offiziell als Firma gegründet, um die ersten zwei Prototypen innerhalb von nur sieben Monaten zu bauen. Wie war das?

CH: Wir arbeiteten mit bekannten Partnern zusammen, um die zwei Prototypen zu produzieren, die später für über 13.000 Testfahrten verwendet wurden. Die Prototypen selbst beinhalteten außerdem Vorschläge und Wünsche aus unserer Community, die es zu einem wirklich innovativen und kosteneffektiven Auto für den Alltag machten.

X: Was waren an diesem Punkt denn die größten Herausforderungen?

CH: Zu diesem Zeitpunkt war ein solarbetriebenes Elektroauto ein völlig neues Konzept, das so noch nie vorher realisiert wurde. Wir mussten eine innovative Lösung finden, die Solarzellen so flexibel machte, dass wir sie in gebogene Oberflächen integrieren konnten. Wir wollten diese Technologie zusätzlich in die gesamte Karosserie des Autos integrieren, und sie zudem leicht und kosteneffizient gestalten. Das bedeutete, dass wir unsere ganz eigene Lösung benötigten. Heute benutzen wir ein robustes Polymer als Trägermaterial, in das wir die monokristallinen Solarzellen mit einem Spritzgussverfahren nahtlos integrieren.

X: Wann fand die erste öffentliche Präsentation statt? 

CH: Im Juli 2017 präsentierten wir den Sion der Welt. Fast siebenhundert Unterstützer aus unserer Community sowie Gäste aus Politik, den Medien und der Industrie begleiteten uns bei diesem Ereignis. Die Internationale Berichterstattung brachte die Vorbestellungen auf Touren, die im Laufe desselben Abends noch ungeahnte Höhen erreichten.

X: Bezug nehmend auf die 13.000 Testfahrten in den Jahren 2017 und 2018: Wie war das erste Feedback der Fahrer? Haben Sie in dieser Designphase grundlegende Änderungen vorgenommen?

CH: Das Feedback war sehr positiv. Die Leute waren enthusiastisch in Bezug auf das Potenzial des Sion, und wir erhielten eine Menge wertvoller Rückmeldungen, die wir in die Vorab-Serienversion integrierten. Wir integrierten zum Beispiel in hinteres Seitenfenster, um eine optimale Rundumsicht zu gewährleisten. 

X: Wie groß war Ihr Team zu dieser Zeit?

CH: Zum Zeitpunkt der Konstruktion des ersten Prototyps steckte das Team mit um die dreißig Mitarbeitern noch ziemlich in den Kinderschuhen. Wenn man es dem jetzigen über 250 Köpfe starken Team vergleicht, ist es ziemlich erstaunlich, was wir mit so wenigen Leuten erreicht haben.

CES Präsentation und die neueste Version des Sion

X: Nach der Investitionsrunde C wurde das Auto aktualisiert und auf der CES 2021 präsentiert: Ist das die neueste Version? Wie viele Designschritte durchlief das Auto während dieser fünf Jahre?

CH: Zwischen 2916 und 2021 wurden einige wenige konzeptuelle Iterationen realisiert, jedes Mal mit wachsender Reife und steigenden Detailgraden bei der internen Entwicklung. Wir werden unseren Prototypen der dritten Generation im Jahr 2022 veröffentlichen.

The Sion (photo credit: Sono Motors GmbH)
Der Sion (Bildrechte: Sono Motors GmbH)

X: Es ist ja kein klassisches Auto mit einem Verbrennungsmotor, und es baut stark auf seinen elektronischen Komponenten auf. Können Sie uns bitte die wichtigsten elektronischen Komponenten des Autos mitteilen?

CH: Der Sion ist ein hochmodernes Elektroauto. Er verfügt über eine LFP-Batterie mit einer Kapazität von 54 kWh. Darüber hinaus gibt es einen Wechselrichter, Elektromotor, On-Board Charger (OBC) sowie Sensoren, Aktuatoren, Steuer- und Kontrollgeräte, Anzeigen, Connectivity-Module und Zentralcomputer. All das macht unser Auto zugänglich und bequem, sowohl beim Benutzen, als auch beim Teilen. Ein Schlüsselelement des Sion ist außerdem die sogenannte MCU, ein Gerät, das der mit PV-Modulen ausgestatteten Karosserie erlaubt, die Hochvolt-Batterien ohne einen Anschluss an eine Ladestation oder Wandbox zu laden.

Interior design of the Sion (photo credit: Sono Motors GmbH)
Innenraumdesign des Sion (Bildrechte: Sono Motors GmbH)

X: Waren Sie von den Störungen in den Lieferketten bei elektronischen Bauteilen betroffen?

CH: Da wir uns immer noch in der Prototyp-Phase befinden, waren wir deutlich weniger betroffen als der ganze Automobilsektor. Dennoch waren wir in der Lage, Alternativen und Ausweichlösungen zu finden.

X: Wie sehr wird sich das Auto in einem ganz normalen Parkplatz vor einem Haus aufladen?

CH: Wir erwarten, dass der Sion mit seinen integrierten Solarpaneelen im Durchschnitt 112 km pro Woche bei normalen Wetterbedingungen in einer Stadt wie München erzeugen wird, und an langen sonnigen Tagen im Sommer bis zu 35 km pro Tag.

Die Beschaffung von mechanischen Bauteilen über die On-Demand Fertigungsplattform von Xometry

X: Welchen Herausforderungen sahen Sie sich bei der Beschaffung von individuell angepassten mechanischen Bauteilen gegenüber?

CH: Lange Lieferzeiten und hohe Kosten. Viele Auftragsbücher waren über Wochen ausgefüllt, und so konnten die Hersteller nicht kurzfristig reagieren.

X: Wann entdeckten sie Xometry als eine Möglichkeit für die Beschaffung der mechanischen Bauteile?

CH: Vor etwas über einem Jahr, im Jahr 2020, als wir uns darauf konzentrierten den maximalen Output bei unseren Solarpaneelen zu erzeugen.

X: Wie gefällt Ihnen das Konzept der On-Demand Fertigung?

CH: Es bietet die Flexibilität, die unser progressives – und hochdynamisches – Entwicklerteam braucht, und stellt sicher, dass wir Zeitrahmen und Budget unserer Projekte einhalten.

X: Wie sieht ihre Erfahrung mit Xometry aus? Verwenden Sie die Sofortangebots-Engine?

CH: Xometry hat uns auf großartige Weise bei der CNC-Fertigung unserer MCU-Prototypengehäuse unterstützt, und das bei kleinen und mittelgroßen Chargen. Wir benutzen die Sofortangebots-Engine, um einen ersten Eindruck über die Kosten und Lieferzeiten zu bekommen. Im Nachhinein stellt der Kundendienst von Xometry außerdem sich, dass wir die richtigen hochqualitativen Teile in einer Rekordzeit und auf einer direkten und persönlichen Basis an den richtigen Ort geliefert bekommen.

Im November 2021 wurde Sono Motors ein offen gehandeltes Unternehmen

X: Wie lief Ihre Börseneinführung? 

CH: Wir haben  jetzt einen großen Schritt näher an die Auslieferung des Sion an unsere Community getan, und genauso in unserer Mission, mit der wir realisieren wollen, dass jedes Fahrzeug mit Solarzellen ausgestattet ist.

X: Wie sehen Ihre Pläne aus? Wann werden Sie das Serienmodell veröffentlichen?

CH: Wir planen eine Vorabserie von Fahrzeugen, die für die Typengenehmigung und die Abnahme des Produktionsprozesses genutzt werden soll. Der erste Sion soll voraussichtlich im Jahr 2023 vom Band rollen.

X: Was kommt als Nächstes? Wird man das Auto in den meisten europäischen Ländern bestellen können?

CH: Wir haben über 16.000 Vorbestellungen des Sion, die hauptsächlich aus Deutschland und der DACH-Region (Deutschland, Österreich und der Schweiz) getätigt wurden. Die Firma registriert aber auch eine wachsende Anzahl an Bestellungen aus anderen – hauptsächlich europäischen – Ländern.

Erfahren Sie mehr über Sono Motors: www.sonomotors.com

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